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Biografisches Interview mit mir selbst

Du bist ja schon ganz schön alt für so ein Debutalbum….(man sieht´s dir nicht an, aber man kann es rausfinden). Woran scheiterte es bisher? Keine Motivation oder keine Kohle?

„In erster Linie keine Zeit. Und auch an Überzeugung hat es mir gemangelt. Ich habe erstmal einen Beruf gelernt und war damit beschäftigt, einige sehr liebenswerte Nachwuchskünstler in die Welt zu setzen. Das hat mich eigentlich schon voll und ganz vereinnahmt, so dass ich für das Musik machen nur wenig Zeit hatte. Ich habe aber auch auf den richtigen Moment und die richtigen Menschen gewartet. Und dann war es schließlich soweit. Ich bin im Juli 2018 spontan  zu einer offenen Bühne gegangen und war sozusagen infiziert. Seitdem kann ich nicht mehr aufhören damit. Will es aber auch nicht. Darüber hinaus fühl ich mich noch ganz schön jung 😉“

 

Wie kam es eigentlich zu deinem Albumtitel  „Elfenbein“? Wenn man den Großteil der Lieder oder auch das Artwork betrachtet, findet man ja eher weniger  Bezüge zu Elefanten, dafür hat man zwischenzeitlich den Eindruck, dich aus einem dunklen und einsamen Wald retten zu müssen.!?

„Nein, ich muss nicht gerettet werden. „Elfenbein“ ist der letzte Song auf dem gleichnamigen Album und einer meiner persönlichen Favoriten. Der Titel entstand 2019 im Rahmen meines Mitwirkens bei der Veranstaltungsreihe „Immer Lieder Sonntags“. Hier finden sich regelmäßig Künstler  zusammen, um zu einem vom Publikum gewählten Motto (in diesem Fall „Farben im Kopf“) gemeinsam selbst geschriebene Lieder  zu arrangieren und am letzten Sonntag im Monat dem Publikum vorzutragen. Da ich diesen Song mit einer großen persönlichen Wende verbinde, habe ich mich entschlossen, auch das Album danach zu benennen."

 

In deinem Album besingst du überwiegend zwischenmenschliche Miseren. Das machen ja im Moment fast alle. Ist es nicht viel angesagter, gesellschaftskritisch und politisch zu poesieren?

„Ich sag mal so, jeder macht das, was er am besten kann. Es gibt viele tolle Songwriter, die gesellschaftskritische Themen bedienen. Ich glaube, ich mache das auch, nur anders. Während andere Künstler die Dilemmata der Gesellschaft eher auf der Metaebene besingen, suche ich mir kleine Ausschnitte aus Situationen in denen ich nah dran und vor Ort bin. „Märchenland“, zum Beispiel ,ist ein hoch politischer Song, welcher die Themen Soziale Ausgrenzung, Einzigartigkeit, Toleranz und Schubladendenken behandelt. Darüber hinaus ist es eine Mixtur aus Sinn und Unsinn. Die genannten Themen werden ernsthaft angesprochen aber gleichzeitig auch mit Quatsch und Humor versehen. Die Kernaussage dahinter soll auch sein, dass man aus vielen scheinbar ausweglosen Situationen Gutes herausholen kann und man auch nicht immer alles so ernst nehmen soll. “

 

Hast du eigentlich eine musikalische Ausbildung?

„Nö, ich kann auch keine Noten lesen. Ich habe mir im Alter von 12 Jahren einige Instrumente selbst beigebracht. Ich habe ein sehr gutes musikalisches Gehör und einen starken Willen, das hat ausgereicht. „

 

Wie entstehen deine Songs? Nimmst du dir konkret vor ein Lied zu schreiben oder wie läuft das ab? Was entsteht zuerst? Text oder Melodie?

„Meistens zuerst die Melodie. Nein, ich nehme es mir in der Regeln nicht konkret vor, es passiert eher nebenbei. Beim Kochen, Autofahren oder früher im Schulunterricht. Ich werde regelrecht überfallen von Melodieideen und muss diese sofort mit dem Handy aufnehmen. Der Text kommt dann später. Das ist eine tolle Gabe an mein Gehirn, darüber bin ich sehr dankbar. Viele Songs sind innerhalb von 30 Minuten entstanden.“

 

Schönes Album, tolle Arrangements und duftes Artwork. Wer hat denn da alles so mitgemacht und wo kommen die alle her?

„Ich hatte immer eine gewisse Vorstellung davon, wie so ein Album entstehen soll. Ich wollte nie in ein hochprofessionelles und anonymes Tonstudio gehen. Aufgenommen haben wir in der Wohnung von Luca Hunke. Luca ist ein früherer Schulkamerad von Toni. Toni sowie Klara kenne ich schon länger aus dem „Kollektiv Songtag“ bei welchem ich Mitglied bin. Es war mir wichtig, mit Künstlern zusammenzuarbeiten, zu denen ich auch eine gute zwischenmenschliche Verbindung habe und die mit Kompetenz und Leidenschaft die Ideen aus meinem Kopf musikalisch umsetzen. Das ist mir mit Toni, Luca und Klara glaube ich ganz gut gelungen.

Hinter dem Artwork steckt ein guter und langjähriger Freund, Lars Timpelan. Er hat auch das Video zum Song „Elfenbein“ gedreht.

Insgesamt haben aber auch viele andere Menschen in verschiedener Art und Weise mitgewirkt. Insbesondere motivierend, beratend oder mit Texten für meine Social Media Präsenz. Darunter zählen enge Freunde, u.a. der Dresdner Musiker Martin Seidel oder die Leipziger Künstlerin Peggy Luck.“

 

Wenn man mit dir so quatscht, vernimmt man einen eigenartigen Slang… Kommst du ursprünglich aus dem Vogtland?

„Nein, ich bin vor 19 Jahren aus dem Erzgebirge nach Leipzig gezogen. Meine Herkunft lässt sich linguistisch betrachtet nicht ganz verleugnen. Damit leb ich mittlerweile allerdings ganz gut 😉. Gerade in meinem Job als Sozialarbeiterin drehe ich den Slang bewusst gern mal etwas hoch, u.a.,  um mir den „Icebreakereffect“ zu Nutze zu machen.“

 

Hast du eigentlich musikalische Vorbilder?

„Jo. Ich liebe Anna Ternheim, Dota Kehr und Einar Stray. Regional betrachtet sind Toni Linke, Klara Leinen, Peggy Luck und Alin Coen meine Vorbilder.  Zwischendurch konsumiere ich je nach Lebensmoment aber auch gern mal The Prodigy oder System of a down.“

 

Es steht das Gerücht im Raum, dass du früher ein mega hysterischer Kelly Family Fan gewesen sein sollst. Bitte sag mir, dass das gelogen ist!

„Leider muss ich dich hier enttäuschen. Das stimmt. Aber das hat mir neben dem Ärger zu Hause (weil ich heimlich vor Stadien übernachtet habe, statt in die Schule zu gehen) sonst nur Vorteile gebracht. Die Kellys haben mich dazu inspiriert, Instrumente zu lernen. Als ich 5 war, hatte das mein Vater auch mal probiert und hat mir eine Gitarre geschenkt. Da hatte ich aber noch nicht so richtig Lust drauf bzw. wollte lieber Flöte oder Klavier spielen. Mit Einzug des Kelly Fanatismus war es um mich geschehen. Ich habe mir zu sämtlichen Gelegenheiten ein Instrument nach dem anderen gewünscht. Von meinem ersten Lohn als Prospekteverteilerin hab ich mir ein gebrauchtes Akkordeon gekauft. Das hab ich heute noch. Darauf ist der Titel „Stumm“ entstanden. Auch soziale-emotional betrachtet, war es gut ein Kelly Fan zu sein. Ich habe frühzeitig und fernab von Instagram und Whatts App-Gruppen gelernt, Mobbing durch Mitschülern Herr zu werden. Ich hab mich nie von meinem Fan-Dasein abbringen lassen und transferiere diese Erfahrungen heute z.B. in meine Whattsapp-Kommunikation wenn ich dort mal grammatikalisch falsch unterwegs bin. (z.B „seit“ statt richtigerweise „seid“) 😉

Darüber hinaus wissen wir doch heute alle, dass die Kellys sich eben doch gewaschen haben 😊. Und im Rahmen ihres Genres haben sie verdammt viele gute Lieder rausgebracht.“

 

Wie siehts denn so mit persönlichen Werten aus?

„Hmm, spontan fallen mir da Gesundheit, Vertrauen, Ehrlichkeit, Toleranz Authentizität, Frieden, Freiheit, Selbstbestimmtheit und Verlässlichkeit ein. Und über allem steht für mich die bedingungslose Liebe, ich denke mit diesem Gesamtkonzept kann man ganz gut leben."

 

Daran angeknüpft hab ich mal noch ein paar Bierdeckelfragen:

 

Rot oder Braun?

„Weltoffen“

 

Wein oder Bier?

„Überwiegend  Wein, aber auch mal ein Bier“

 

Fertigkippen oder selber drehen?

„Ganz klar, selber drehen“

 

UT oder MB?

„UT!!!!“

 

Krimi oder Schnulze?

„Situationsabhängig“

 

Freibad oder See?

„See oder noch besser, Meer!“

Haus oder Wohnung?

„Bauwagen“

 

Schwarz-Weiss oder Bunt?

„Bunt mit Grünfilter“

Vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast!

Nicht dafür! ;-)

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